Feuer

Feuer und Flamme Zeichen der Göttlichkeit

Autor: Burkhard R. Knipping

Feuer und Flamme

In der Osternacht, zu St. Martin, im Zeltlager, beim Väter-Kinder-Wochenende, im Kaminzimmer … - immer ist für uns das Feuer ein Versammlungspunkt, ein Gemeinschaftsort. Ganz offenkundig wird es beim Grillen.

 

Feuer zieht uns Menschen an: die Wärme, das Licht, die Bewegung der Flammen.

 

Wir pflegen das Feuer und nutzen es. - Wir nutzen es auch sprachlich: "Feuer und Flamme sein", "entflammt für ...", "brennt innerlich für ..."

Machtvoll und gefährlich

Uns reizt auch die Gefahr des Feuers.

Angezogen von seiner zerstörenden Macht sind wir; wir wollen sogar seine Kraft im Knistern und Knacken hören, wenn es Faser um Faser des Holzes frisst. Funken bestaunen wir als auffliegende Sternchen, obwohl sie – wenn sie sich niederlassen – ein Feuer auslösen.

Ganz, ganz nah gehen wir ans Feuer ran, bis es auf der Haut schmerzt und die Luft so heiß ist, dass sie in der Nase oder im Mund brennt.

Überall

Alles Lebende greift das Feuer an.

Was sich gegen das Verbrennen wehrt, wird von der Feuerhitze ausgezehrt, bis die ersten Flämmchen züngeln können, dann Besitz ergreifend zu packen, zu großen Flammen wachsen und das eroberte Stück zerstören.

So frisst sich im Sog seiner eigenen Hitze das Feuer weiter und weiter.

 

Erdenverhaftet wie es ist, kann das Feuer überall hin; kennt keine Höhe und keine Tiefe.

Ohne Kraftverlust

Im Brennen verliert das Feuer nicht seine Kraft.

Im Gegenteil: Mühelos vernichtet das Feuer, worauf es sich niederlässt, und seine Kraft nimmt zu, je mehr es vernichtet.

Variabel und angepasst

In Form, Farbe und Größe variiert Feuer.

Abhängig vom Moment, vom Untergrund ist es groß, klein, züngelnd, lodernd, aufbrausend, rot, gelb, blau …

Aber es ist Feuer: heiß, vernichtend, vorwärts preschend.

Zeitlos gefährlich

Binnen Stunden sind Häuser, Landschaften vernichtet, sind Existenzen zerstört.

 

Dennoch spielt Zeit keine Rolle für Feuer: Ob sein Futter alt ist oder jung, ist dem Feuer gleich.

Auch für sich selbst zählt Zeit nicht; Feuer ist immer das gleiche – in Vorzeiten wie in Zukunft.

 

Feuer kann ewig dauern oder nur einen kurzen Moment, und doch ist seine Vernichtungskraft immer stark.

Jähes Wiederaufleben

Feuer kann sterben. Dann fehlt es und fehlt auch nicht.

 

Manchmal versteckt es sich im roten Schimmer glimmender Asche.

Aus dieser, die vom unglücklichsten Zustand der Dinge zeugt und nichts anderes als der traurige Rest und doch zugleich der Kern von Materie (Kohlenstoff) ist, schießt plötzlich mit aller Kraft und Macht das Feuer wieder hoch und ist da, als wäre es nie aus gewesen.

Urgewaltig

Diese Urgewalt „Feuer“ zählt zu den vier Urelementen Wasser, Luft, Erde, Feuer, und nur durch zwei von ihnen ist es zu bändigen: Am Wasser findet Feuer seine Grenze, und von der Luft ist es abhängig. Wo das eine ist oder das andere fehlt, kommt Feuer nicht vor.

 

Verbundenheit und Absonderung, Abstoßung und Anziehung kennzeichnen das Verhältnis der vier Elemente aus denen das geschöpfliche Leben einhergeht.

Faszinierend

Die verschiedenen Eigenschaften des Feuers lassen Menschen an Kraft und Macht denken, die sie dem Göttlichen zusprechen.

 

So kommt es zu den Bildern von der Feuersäule des voran ziehenden Gottes und der pfingstliche Flamme des Geistes, und ihre Feuer-Eigenschaften charakterisieren die anwesende Kraft Gottes: Ewigkeit und Beweglichkeit, Variabilität und Unvergänglichkeit, Vernichtung und Auflodern, Kraft wie aus dem Nichts.

Das Göttliche

Das „Göttliche zeigte sich den Menschen des Alten Testaments in Gestalt einer Flamme …: Die Offenbarung und das Feuer haben die gleiche Form“, schreibt der norwegische Autor Karl Ove Knausgard: „Auch das Göttliche besitzt diese Fähigkeit, sich plötzlich zu zeigen, in seiner vollkommenen Form, um danach zu verschwinden. Auch das Göttliche besitzt dieses Rätselhafte, Fremde und Gnadenlose, was dazu führt, dass wir es zugleich fürchten und bewundern.“ (Karl Ove Knausgard, Träumen, Verlag Luchterhand, München 2015, S. 769)

 


 

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