Zum Feiertag Mariä Himmelfahrt am 15. August leben vielerorts alte Bräuche wieder auf. Doch was genau bedeutet Mariä Himmelfahrt?

14. August 2017 Newsdesk/ahi, katholisch.de

Am 15. August begeht die Kirche Mariä Himmelfahrt. In manchen Teilen Deutschlands ist dieses katholische Hochfest sogar ein staatlicher Feiertag. Auch viele Katholiken im Erzbistum Köln schätzen das Fest, und das, obwohl sie in Nordrhein-Westfalen arbeiten müssen. Die Aufnahme Mariens in den Himmel – so der etwas förmlichere Name – ist immerhin das älteste unter allen Festen für die Mutter Gottes. Immer noch werden an diesem Tag volkstümliche Bräuche gepflegt.

 

Mariä Himmelfahrt ist bereits seit dem siebten Jahrhundert bekannt, obgleich in der Bibel nur in Andeutungen über eine leibliche Aufnahme Marias in den Himmel berichtet wird. 1950 wurde die Lehre von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel von Papst Pius XII. zum Dogma, also zum verbindlichen Glaubensinhalt, erklärt.

 

Im Mittelpunkt des Hochfestes von der Aufnahme Mariens in den Himmel steht die innige Beziehung Marias zu ihrem Sohn Jesus. Himmelfahrt bedeutet, dass sie nach Beendigung ihres irdischen Lebens in den Zustand gelangt ist, in den die übrigen Gläubigen erst nach der Auferstehung am Jüngsten Tag kommen werden. Sie ist das Bild des erlösten Menschen.

 

Mariä Himmelfahrt dient vielen auch als Begründung dafür, dass es weder ein Grab noch Reliquien Marias gibt. Generell finden sich in der Bibel wenige Informationen über sie, obgleich Maria zu den bekanntesten Figuren der Heiligen Schrift zählt. Einzelheiten über die Mutter Jesu sind außer in den Weihnachtsgeschichten der Evangelisten Lukas und Matthäus in der Bibel kaum zu finden, in der Apostelgeschichte wird sie anlässlich der Himmelfahrt Jesu erwähnt.

 

Bräuche zu Mariä Himmelfahrt: Lilien statt Leichnam im Grab

Dennoch pflegt die römisch-katholische Kirche eine tiefe Marienverehrung. Gerade die geringe Zahl biblischer Belege trug zur Ausweitung der Marienverehrung bei. Verknüpft wird diese mit verschiedenen volkstümlichen und religiösen Bräuchen. In ländlichen Gegenden wird Mariä Himmelfahrt beispielsweise als "Büschelfrauentag" oder "Unser Frauen Würzweih" bezeichnet. Maria gilt hier als "die Blume des Feldes und die Lilie der Täler". Volkskundler führen die Tradition von Blumen- und Kräuterweihen an dem Tag auf Geschichten um die Blumenliebe Marias zurück. Ebenso wird sie mit der legendären Öffnung des Grabes der Gottesmutter in Verbindung gebracht. Statt eines Leichnams, so die Legende, fanden die Apostel darin "Lilien und fruchtbare Gewächse". Der Erde soll an dieser Stelle ein wundersamer Kräuterduft entströmt sein.

 

Gottesdienste mit Kräuterweihen sind daher seit dem 9. Jahrhundert bekannt und lösten germanische Erntebräuche ab. Die Weihe sollte die von Maria ausgehenden heilsamen Einflüsse und Kräfte auf die Kräuter übertragen. Besonders vor Klosterkirchen der Franziskaner und Kapuziner – deren Mönchen man im Mittelalter hohe Weihekraft zuschrieb – werden zu Mariä Himmelfahrt körbeweise Heilkräuter geweiht.

 

Mariä Himmelfahrt: Habe ich frei?

In vielen Teilen Bayerns und im Saarland ist das Kirchenfest auch ein gesetzlicher Feiertag, die Arbeitnehmer dort dürfen also zuhause bleiben. Vor allem in Süddeutschland finden am Abend des 15. August Pontifikalämter mit anschließenden Lichterprozessionen statt. Zu den bedeutendsten dieser Art zählt die Schiffsprozession in Lindau am Bodensee mit mehreren Tausend Teilnehmern. Noch mehr Gläubige kommen zu Messe und Prozession in den bayerisch-schwäbischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild.

 

Für katholische Christen ist Mariä Himmelfahrt außerdem der Auftakt für die anschließenden 30 Marientage, die als besonders segensreich gelten und mit Mariä Namenstag im September ihren Abschluss finden.